Heimat ist nicht nur ein Ort

Die Kinder und Jugendlichen sollten mit ihren Smartphones auf Motivsuche gehen und zeigen „Was ist Heimat für dich?“. Als Teil des Videto-Projektes (Vielfalt, Demokratie, Toleranz) zeigten sie so gelebte Demokratie und machten deutlich, was ihnen wichtig ist. Alle Arbeiten wurden beim Fotowettbewerb des Projekts bewertet, in der Amthof-Galerie dann unter 23 Einsendungen die ersten drei Preisträger geehrt. Es zählten, wie die Hünfeldener Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer (parteilos) berichtete, nicht nur die Motive der Fotos, sondern genauso die Begleittexte.

Wie bei vielen Wettbewerben war es aber auch hier so, dass Juryentscheidungen immer persönliche Geschmackssache sind. Von Motivauswahl und Farbenspiel her waren auch einige starke nicht prämierte Fotos dabei, die von der Qualität sicher zumindest nicht schlechter als die prämierten Bilder waren. Von daher sagte der Bad Camberger Stadtverordneten Vorsteher Heinz Schaus (SPD): „Wichtig war, dass alle dabei waren, ihren Blickpunkt der Heimat zeigten“.

Die Jury setzte die Klasse 6a der Schule im Emsbachtal in Niederbrechen (Gutschein für Klassenausflug zum Limburger Limpark) auf den ersten Platz. Von dieser hatte im Unterricht jedes Kind ein Bild gemalt, was für ihn Heimat und Gemeinschaft bedeutet. Diese Einzelbilder wurden dann zu einem Ganzen zusammengesetzt, wie es heißt „So wie wir alle gemeinsam eben Heimat sind“. Wer genau hinsieht, erkennt, dass das Bild aber auch eine schöne, grüne Landschaft mit bunten Häusern ergibt, „denn Heimat ist für uns bunt“. Auf dem eingereichten Foto sitzen die Schüler um das Werk im Kreis herum. Sie wollen damit zeigen: Heimat ist auch ein Gefühl. Die Klasse schrieb: „Wenn wir Menschen bei uns haben, die wir lieben, oder wenn unsere Familie, unsere Freunde und Klassenkameraden für uns da sind, wenn es uns nicht so gut geht und auf uns aufpassen, dann ist das für uns Heimat“. Für die Sechstklässler ist auch Schule, wie sie schrieben, Heimat: „Hier ist es zwar manchmal anstrengend und ab und zu nerven auch die Lehrer, aber irgendwie freuen wir uns, wenn wir dort sind und Menschen bei uns haben, für die wir wertvoll sind und die für uns da sind“.

Platz zwei (Karten für einen Besuch des Europaparks Rust) ging an Ole Kreuzsaler aus Niederselters. Der 17-Jährige hatte ein schönes Landschaftsbild seines Heimatortes eingereicht. „Ich habe mich für dieses Motiv entschieden, da es in Niederselters auf einem Blick zeigt, sowie die umliegenden Felder, Wälder und Erhebungen. Heimat sei für ihn ein Begriff, der etwas mit dem Ort zu tun habe, in dem man großgeworden sei. Darum auch bei dem Bild der nostalgische Filter. Für Kreuzsaler war es nach längeren Fahrten oder Urlaubsreisen dann immer auch wieder schön, wenn er im Aut0 saß und dann aus der Ferne wieder Niederselters und sein Wohnhaus auf sich zukommen sah.

Beste Freundinnen

Die Freundinnen Lucie, Frieda und Florida aus Bad Camberg, die nur mit Vornamen genannt werden wollten, hatten ein Bild eingereicht, das sie von hinten Arm in Arm auf einem Baumstamm über einen Bachlauf sitzend zeigt. Sie schrieben: „Wir haben dieses Foto genommen, weil der Bach für jede Jahreszeit geeignet ist“. Im Frühling und Herbst könne man wunderbare Bachtouren machen. Im Sommer könne man sich eine kühle Erfrischung holen und im Winter friere der Bach manchmal ein und man könne auf dem Eis Schlittschuh laufen. Mit den besten Freundinnen mache das alles doppelt so viel Spaß. Für ihr Foto gab es Platz drei und ein Gutschein für ein professionelles Fotoshooting. Silvia Scheu-Menzer dankte allen für die tollen Bilder. Alle eingereichten Arbeiten würden nach der Präsentation in der Bad Camberger Amthof-Galerie auch noch einmal in Hünfelden, Brechen und Selters der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Beim Projekt „Dialog am Dorfplatz“ gehe es darum, unkompliziert mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen, so Scheu-Menzer. Spannend fand die Hünfeldener Verwaltungschefin an den Einsendungen, dass sie dadurch zur Erkenntnis kam, dass bei vielen Jugendlichen Heimat ihr Umfeld – Familie und Freunde – bedeute, weniger als bei der älteren Generation Orte. Die Bürgermeisterin meinte, die Jury habe es nicht einfach gehabt, die Preisträger festzulegen. Cihad Taskin, der für die Goldener-Grund-Kommunen das Projekt plant, betonte, es sei nicht um Profifotos gegangen. Die Schüler hätten wie im Alltag einfach die Bilder mit dem Smartphone machen und dann einfach als WhatsApp schicken können.